Pfarre Mailberg: 100 Prozent katholisch.

Sieht aber besser aus.

EIN JUBILÄUM UND EINE BILANZ

Im September werden es 15 Jahre, dass ich zum Pfarrmoderator von Mailberg ernannt wurde. Unser Pfarrgemeinderat möchte das zum Anlass einer kleinen Feier nehmen, die am Vorabend des ersten Septembersonntags stattfinden wird.
Sie wissen, dass ich zwar große Begeisterung für die Feste der Kirche habe, aber keine für Feste, die mich privat betreffen. Mein Geburtstag geht allenfalls Freunde und Familie etwas an. Zu Priesterjubiläen aller Art habe ich eine kritische Einstellung. Von meiner Kindheit bis heute bin ich der römisch-katholischen Kirche treu geblieben und habe sie stets „gegen alle Angriffe verteidigt“, wie es im Ordensgebet der Malteser-Ritter heißt. Ich habe aber auch unter keinem Menschen und keiner Institution so gelitten wie unter der Kirche und ihrem Klerus. Ich würde mich nicht noch einmal zum Priester weihen lassen. Ein Weihejubiläum ist in meinen Augen zuerst eine Sache zwischen Gott, der Kirche und dem Priester. Die Gemeinde, in der er gerade arbeitet, ist da sekundär. Zudem kommen Weihejubiläen in der Tradition, in der ich stehe, nicht vor. Ihr Ideal ist der diskrete, zurücktretende Priester, nicht der, der sich von den Laien feiern lässt. Welche Feste für Laien gibt es eigentlich in der Kirche? Ich finde die üblichen Weihejubiläen selbstzufrieden und spießbürgerlich.

Mit einem Amtsjubiläum ist es anders. Dass ich nun schon viele Jahre ihr Pfarrer bin, geht die Mailberger in der Tat etwas an, und so habe ich dem Wunsch des PGR nachgegeben: Wir werden ein wenig feiern. Zumal es das letzte Jubiläum ist, das wir zusammen begehen. Beim nächsten, in fünf Jahren, werde ich nicht mehr bei Ihnen sein. Ich bin fest entschlossen, meine Vorgesetzten um die Pensionierung mit 65 zu bitten, was in der Erzdiözese Wien möglich ist, wie ich höre. 2022 würde ich also fortgehen von Ihnen, so der Plan. Denn mehr und mehr merke ich: Es reicht. Auch weil ich mir immer schwerer tue, einen Platz zu finden zwischen dem unzivilisierten, überheblichen, geistlosen Konservatismus der jungen Priester und dem hohlen, routinierten Geschwafel der alten. Was dann aus mir werden wird, weiß ich nicht. Als ich vor vielen Jahren ins Kloster ging, habe ich auf mein Erbe verzichtet, um der Brauerei meiner Eltern nicht zu schaden. Dafür wurde mir ein Wohnrecht zuhause zugesichert. Inzwischen erkenne ich aber, dass eine Rückkehr in den Familienkreis nach so vielen Jahren wohl nicht gehen wird. So werde ich zusehen müssen, wo ich dann mit einer nicht eben üppigen Rente leben kann. Wir waren, liebe Mailberger, so lange zusammen, dass Sie diese Dinge wohl wissen dürfen…

15 JAHRE PFARRER IN MAILBERG: DIE BILANZ
Viele von Ihnen werden gleich an die Kirche und der Pfarrhof denken. Falsch! Dass beide so schön renoviert sind, ist zuerst und fast allein das Verdienst des Ordenskanzlers, Baron von Steeb und dann unseres Bürgermeisters. Ich habe mich nicht wie mein Vorgänger Monsignore Steiner jahrelang gegen diese Projekte gesperrt, ich habe gerne mitgetan. Das ist aber auch schon alles. Es ist also nicht mein Verdienst, wenn Mailberg heute über so schöne Räumlichkeiten und Sehenswürdigkeiten verfügt. Was ich getan habe: Ich habe die kirchlichen Gebäude hier gut erhalten, ordentlich, sauber, ästhetisch ansprechend. Dabei haben mir viele von Ihnen großartig geholfen! Die Finanzen der Pfarre sind ordentlich; wider Erwarten habe ich ein Talent zum Spendensammeln entwickelt. Wenn ich einmal gehe, sind die Kästen in der Kirche und im Pfarrhof weitgehend in Ordnung, alle „Schätze“ der Pfarre restauriert und gepflegt. Wenn ich denke, in welchem Zustand der Verwahrlosung ich vor 15 Jahren alles vorgefunden habe…
Und sonst? Vielleicht ist es mir gelungen, das Verhältnis zwischen Orden und Pfarre bzw. Gemeinde ein wenig zu verbessern. Vielleicht habe ich der Kirche bei Ihnen ein positiveres Image verschafft. Langweilig wird Ihnen mit mir nicht geworden sein; das ist ja auch was wert. Ich habe viele Neuerungen eingeführt. Manche haben sich bewährt; die haben wir behalten. Manche andere haben wir wieder aufgegeben. D. h. wir haben einen ganz guten Kräftehaushalt. Die Pfarre ist einer der Faktoren in Mailberg, die zu Lebendigkeit und Zusammenhalt der Gemeinde beitragen. Meine Verbindung zur Feuerwehr und Kameradschaft war gut, denke ich, auch die zum Kindergarten, zur Schule und zur politischen Gemeinde. Das war aber auch nicht schwer, weil ich mit verständnisvollen und hilfsbereiten Partnerinnen und Partnern zu tun hatte. Den Kirchenbesuch habe ich konstant auf ca. zehn Prozent der Katholiken hier gehalten. Diese gleichbleibende Zahl beeindruckt mich selbst, weil ich ja weiß, wie viele hier in diesen 15 Jahren gestorben sind. Ich denke an viele bewegende Beerdigungen. Doch es kommen immer wieder neue, jüngere Gottesdienstbesucher dazu. Wir werden also nicht weniger in der Hl. Messe.
Ich habe Ihnen viele frohe, eindrucksvolle Momente beschert, von den Erstkommunionen über die Christmetten bis zu den großen besonderen Festlichkeiten. Ich habe nicht gewartet, dass Sie auf mich zugehen, sondern oft und oft den ersten Schritt getan und kenne viele Häuser hier von innen. Die Kinder kommen (wenn ihre Eltern sie lassen) gerne zur Kirche und fürchten sich nicht vor dem Pfarrer, im Gegenteil. Meine Predigten sind immer gut vorbereitet und wohl ganz korrekt. Die Sonntagsmessen sind stets schön gestaltet (auch wenn sie nicht jedermanns Geschmack sind) und sie entsprechen den Regeln unserer Kirche. Ich finde das wichtig. Ich habe Sie nie angelogen und war nie bösartig zu Ihnen. Aber ich war manchmal hart und oft unbeherrscht. Ich weiß, dass viele von Ihnen deswegen sehr enttäuscht von mir waren. Ich kann nur sagen: Ich selbst leide fürchterlich unter meinem Saucharakter. Immerhin habe ich Sie oft und oft um Verzeihung gebeten, privat und öffentlich, und so manchen Konflikt geheilt. Was auch immer ich an Gutem getan oder bewirkt habe: Es wurde leichter, weil ich auf die erstaunliche Hilfsbereitschaft der Mailberger zählen konnte.

Trotzdem: Nach 15 Jahren ziehe ich eine mehrheitlich negative Bilanz meiner Arbeit. Ich halte mich für gescheitert. Beginnen wir mit den Baulichkeiten. Es ist mir nicht gelungen, Ihnen zu einer wiederhergestellten Kirchenstiege zu verhelfen. Es ist mir nicht gelungen, auch nur einen hier für meine Idee zu begeistern, ein kleines Museum zu bauen, in dem endlich die berühmten Mailberger Kunstwerke des Malteser-Ritter-Ordens öffentlich gezeigt werden könnten. Da es sich nur um drei oder vier Objekte handelt, würde ein größeres Zimmer schon genügen, in moderner Architektur natürlich! Ich bin sicher, dass das dem Fremdenverkehr zu Gute käme. Es ist mir auch nicht gelungen, die Situation der früheren Loretto-Kapelle zu verbessern. Die Mischung aus Aufbahrungsraum für Ihre Toten und Abstellkammer der Kirche ist untragbar.
Auch im Seelsorglichen bin ich gescheitert. Es ist mir nicht gelungen, Ihnen die Notwendigkeit der Strukturreform der Erzdiözese zu vermitteln. Meine Initiativen, mit unseren Nachbarpfarren in Kontakt zu kommen, sind alle gescheitert. Die Teams und Gruppen, die so wichtig wären für Zeiten, wo es keine Pfarrer / Priester mehr geben wird, konnte ich nicht bilden. Wenn es welche gibt, dann haben Sie das geleistet: die Krankenmesse, das sind Frau Ecker und Frau Schuster; die Kinderarbeit, „Gottes Familie Kunterbunt“: Frau Brunthaler und Frau A. Hammerschmied; die Katholische Frauenbewegung wie auch die „Blumendamen“: Frau L. Hammerschmied und Frau Hieß. Meine eigenen Initiativen: Bibelrunde, Glaubensgespräch, Männerrunde sind mir allesamt misslungen, ganz ähnlich alles, was das Gebetsleben betrifft. Ich konnte z. B. niemanden begeistern für die eucharistische Anbetung. Die Beichte habe ich in Mailberg wohl vollends ruiniert. Bei den anderen Sakramenten, Taufe, Firmung, Ehe ist es mir nicht gelungen, Ihren Glauben und Ihre Liebe zu diesen Gnadenhilfen und Eckpfeilern unserer Kirche zu erwecken. Noch immer herrscht der Aberglaube, der Priester bringe den Tod ins Haus und verhindert oft die Begleitung der Kranken. Mir fällt nicht ein, was ich dagegen tun könnte. Versagen also auch hier. Gleich beim Kirchenbesuch: Es ist mir nicht gelungen, viel mehr Mailberger als jetzt in die Sonntagsmesse zu bringen. Wir haben lebendige, frohe, sympathische Kinder in der Gemeinde, auch Ministranten; ich mag sie alle sehr! Aber ich konnte keinem einzigen Kind die Liebe zum Beten und zu Christus weitergeben, keinem Firmling die aktive Treue zu Kirche und Pfarrgemeinde. Jugendarbeit? Hier bin ich total gescheitert. In anderen Gemeinden gibt es Ministranten verschiedener Altersgruppen. Mir ist es nicht gelungen, die Kinder so zu führen, dass sie auch mit 17, 18, 19 noch gerne ministrieren.
Ich bin kein Mann, der die Schuld zuerst bei den anderen sucht. Ich finde das vulgär. Hier schaue ich also auf mich, nicht auf Sie, und mit jedem Jahr gewinnt die Idee an Raum, dass alles besser gegangen wäre, wenn ich bereit gewesen wäre, viel mehr zu beten, Buße zu tun für mich und Sie und zu leiden. Im Blick auf Christus ahnen wir, dass im Leiden eine große Kraft verborgen sein muss, aber ich habe so gut wie nichts daraus gemacht aus Feigheit und Bequemlichkeit. Was hätte die Gnade, die auf dem Gebet, der Buße und dem Leiden liegt in Mailberg bewirken können!

Bis ich weggehe von Ihnen, ist noch reichlich Zeit. Ich denke nicht im Traum daran, es gemütlich ausklingen zu lassen; kein einziges der angesprochenen Projekte habe ich aufgegeben. Der Kampf geht weiter (und Sie wissen, dass ich das genauso meine)! Vielleicht helfen diese Zeilen dazu, überraschende Verbündete zu finden. Wäre super.

Bedenken Sie jedenfalls eines: Wenn Mailberg eine lebendige Pfarre ist, wird man in Wien mit Ihnen rechnen und Ihnen nach mir eher einen guten Priester geben. Wenn die Pfarre aber aus dem letzten Loch pfeift, wird man sie sterben lassen wie so viele andere.

In vielen Dingen und erst recht in denen, die mir wirklich am Herzen liegen, bin ich allein geblieben. In allen Konflikten, großen wie kleinen, ebenso. Ich weiß nicht, vielleicht habe ich echte Verbündete ohne es zu wissen, aber mir scheint: In den Konflikten der 15 Jahre hat mich (mit Ausnahme des Ordenskanzlers, fallweise) nie jemand öffentlich und energisch verteidigt. Sogar die Gutwilligeren haben geschwiegen oder sind verlegen von einem Fuß auf den anderen gestiegen. Kein Nachbarpfarrer, kein einziger Vorgesetzter hat Partei für mich ergriffen. Keine Solidarität. Seltsam: Dennoch liegen Sie mir am Herzen, vielleicht zu sehr. Es wäre leichter, wenn ich kälter wäre.



DIE PFARRE IM SEPTEMBER 2019

Freitag, 20.09.2019 - Gedenktag des hl. Andreas Kim Taegon und seiner Gefährten, Märtyrer in Korea

13:30 Uhr
Beginn der hl. Krankenkommunion
16:30 Uhr
Stille Anbetung des Allerheiligsten
17:00 Uhr
Hl. Messe in der Kunigundenkirche
18:00 Uhr
Treffen mit dem Vice-Dechanten und Pfarrer von Haugsdorf, Pater Placidus Leeb osb. Es geht um die Zukunft unserer Pfarre.

Samstag, 21.09.2019 - Fest des hl. Evangelisten Matthäus

14:00 Uhr
Trauung (mit Eucharistiefeier) des Paares Raphaela Aigner und NN [Name des Bräutigams lag bei Redaktionsschluss nicht vor] (Zelebrant: P. Godhalm Gleiß osb, Pfarrer von Wullersdorf)

Sonntag, 22.09.2019 - 25. Sonntag im Jahreskreis

09:00 Uhr
Hl. Messe für die Pfarre

Dienstag, 24.09.2019 - Gedenktag der hll. Glaubensboten Rupert und Virgil, Bischöfe von Salzburg

14:00 Uhr
Dekanatskonferenz in Zellerndorf
18:00 Uhr
!!!Hl. Messe und Abendgebet in der Kunigundenkirche!!!

Sonntag, 29.09.2019 - 26. Sonntag im Jahreskreis. Fest der Erzengel Michael, Raphael und Gabriel

09:00 Uhr
Hl. Messe für die Pfarre
Wir feiern ERNTEDANK. Es singt unsere Schola. Am Ende der Messe Kosmas-und-Damian-Segen besonders für die Kranken. Das Fest der beiden heiligen Ärzte wird am 26. September gefeiert.
Pfarrgemeinderat: Wir werden die nächste-Sitzung im Oktober halten. Geben Sie Ihre eventuellen Wünsche für die Tagesordnung bitte bis Ende September an den PGR weiter. Pfarrcafé… wieder im Oktober

Firmung: Seit Juni habe ich immer wieder vermeldet, dass nur die zum Firmunterricht 2019/20 zugelassen werden, die mindestens zweimal im Monat die Hl. Messe mit uns feiern. Nachdem ich in den Wochen seither niemanden regelmäßig in der Messe gesehen habe, der für die Firmung in Frage käme, wird es 2019/20 keinen Firmunterricht in Mailberg geben.

Pfarrkanzlei: Mess-Bestellungen, Taufscheine, usw. bitte NUR zur angegebenen Kanzlei-Zeit!

Predigten: Eine Auswahl meiner Predigten finden Sie im Internet auf http://www.malteserorden.at/category/predigt/

Erreichbarkeit des Pfarrers: Ich bin telefonisch zu erreichen unter 01-512 87 90. Wegen der Messen in Wien vormittags erst ab ca. 10 Uhr; abends nach Möglichkeit bis 20 Uhr. Donnerstags ist mein freier Tag; da bin ich nicht zu sprechen. – Ich habe einen neuen Telefonapparat, der (zumindest derzeit) keine eingegangenen Anrufe verzeichnet. Ich kann also nicht wie früher zurückrufen.



Mit besten Grüßen
Ihr
Dr. Christoph Martin, Pfarrmoderator von Mailberg